Evangelisches Dekanat Runkel

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Wie geht's?

Foto: Peter Wagner

Wie geht's?
Danke, gut.
Und selber?
Auch.

Ein kleiner alltäglicher Plausch, unter normalen Bedingungen eher oberflächlich. In diesen Tagen klingt jedoch auch der Smalltalk anders. Eigentlich ist alles irgendwie anders: „Bleib gesund“ klingt nicht mehr belanglos, ich höre da ernste Sorge heraus. Grummeln und Jammern (ob sachlich berechtigt bleibt dahingestellt) gehört zu den Lebensäußerungen des Menschen, auch sie sind anders.

Der erwartete Koller manifestiert sich zunehmend in Frust und Unzufriedenheit. Kinder dürfen nicht mit ihren Freunden spielen, die Großeltern haben große Sehnsucht nach ihren Enkeln und umgekehrt. Menschen in systemrelevaten Berufen sind erschöpft. Hinzu kommen materielle und wirtschaftliche Sorgen. Da wird schnell aus einem eigentlich harmlosen Wortgefecht ein handfester Streit.

Streit als emotionaler Austausch von Standpunkten stellt meist kein größeres Problem dar. Aus Gesprächen höre ich, dass es derzeit nicht dabeibleibt, es wird schnell „historisch“. Alte Verletzungen werden rausgebrüllt, Dinge, die um des lieben Friedens willen unter den Teppich gekehrt worden waren. Da fällt es schwer, auf dem Teppich zu bleiben. Menschen werden aneinander schuldig. Es ist gerade unter den gegenwärtigen Bedingungen scheint das unvermeidlich.

Die Umstände fordern uns alle heraus. Von 180 auf 10 km/h innerhalb kürzester Zeit… das ist ein Bremsmanöver, bei dem im Auto alles runterfliegt, was vorher auf der Rückbank platziert wurde. Die Physik hat die Erklärung dafür. Die Psychologie auch. Tatsächlich muss der Umgang mit Belastungen dieser Art gelernt werden.

Die Bibel kennt das Phänomen. Die Briefe des Neuen Testaments waren auch unter äußeren ungünstigen Bedingungen entstanden und so kennen die Verfasser auch die Belastungen. So steht im Kolosserbrief: „Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, müsst auch ihr vergeben! Doch das Wichtigste von allem ist die Liebe, die wie ein Band alles umschließt und vollkommen macht.“ ‭‭Kol‬ ‭3, 13-14‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬‬

Der Verfasser weiß wohl, was er da empfiehlt. Die streitenden Parteien haben jeweils berechtigte Standpunkte. Wenn einer gezwungen wird, seine Schuld einzusehen, so wird der seine Argumente auf den Tisch legen, die wiederum widerlegt werden. Die Streitspirale.

Sie kann durchbrochen werden. Darauf zielt das Wort aus dem Kolosserbrief. Vergeben ist lebensnotwendig. Jesus wird gefragt, ob es reicht 7-mal zu vergeben? Seine legendäre Antwort 7-mal 70 Mal bedeutet: immer und immer wieder soll und muss vergeben werden. Ein Jubelpaar verriet eines ihrer Geheimnisse: niemals unversöhnt schlafen gehen. Was auch immer war – es vor der Nacht bereinigen und einander vergeben. So überstehen starke Persönlichkeiten, die einander zugetan sind, auch 60 gemeinsame Jahre.

Wer grollt, vermiest sich selbst das Leben. Vergeben setzt neue Energie frei. Sich gegenseitig vergeben heißt, sich aufeinander einlassen. Gemeinsam den Belastungen des Lebens begegnen, sie ertragen. Vorbild im Vergeben ist Jesus, der noch am Kreuz, im Angesicht des Todes, um Vergebung für seine Feinde bat.

Wer sich liebt, wer sich zugetan ist, vergibt, selbst wenn der andere nicht einsieht. Wer vergibt, tut sich selbst etwas Gutes (medizinisch erwiesen!). Vergebung schafft der Seele Raum. Wer vergibt, wird jeden Tag aufs Neue beschenkt. Und das ist kein Aprilscherz.

Pfarrerin Agnes Schmidt-Köber, Laubuseschbach

Gebet

Treuer Gott, eigentlich ist es leicht, ein erfülltes Leben zu haben.
Hilf mir, dass ich die Prioritäten meines Lebens klug setze.
Hilf mir erkennen, wo ich Menschen (unbewusst) wehtue und hilf mir, das zu bereinigen, was ich anrichte.
Hilf mir auch, dass ich jenen ehrlich vergebe, die mir zusetzen.
Stärke alle Menschen, die in dieser Zeit alle Kraft einsetzen, um Kranken und Bedürftigen zu helfen.
Hilf uns, den Frieden untereinander zu bewahren.
Amen

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